Die Bedeutung der Seelenübung für die Gesundheit

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Wenn wir das Wort „Übung“ hören, denken die meisten Menschen zuerst an Sport. Wir stellen uns vor, wie jemand joggt, Gewichte hebt oder Yoga macht. Dabei wissen wir: Jede Form von Übung braucht eine bewusste Entscheidung. Niemand trainiert aus Versehen. Man muss es wollen.

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Genau das gilt grundsätzlich für jede Art des Übens: Es ist eine selbstgewählte, aktive Tätigkeit.
Eine Körperübung richtet sich vor allem an unseren Willen. Wir müssen uns überwinden, regelmäßig zu trainieren. Unsere Muskeln werden bewegt, unser Kreislauf kommt in Schwung.
Eine mentale Übung dagegen fordert vor allem unser Denken heraus. Wenn wir zum Beispiel eine schwierige Matheaufgabe lösen oder eine neue Sprache lernen, trainieren wir unseren Verstand.
Doch es gibt noch eine dritte Form des Übens, die oft weniger beachtet wird: die Seelenübung.
Hier werden nicht nur eine, sondern gleich drei Kräfte des Menschen angesprochen – Denken, Fühlen und Wollen. Und zwar nicht zufällig, sondern bewusst, gezielt und in einem harmonischen Zusammenspiel.
Wenn ein Mensch solche Übungen regelmäßig und über längere Zeit ausführt, kann das eine spürbare Wirkung auf sein gesamtes Wohlbefinden haben. Viele erleben mehr innere Ruhe, mehr Ausgeglichenheit und neue Lebensenergie.

Der Unterschied zwischen körperlicher und seelischer Übung

Schauen wir uns zuerst ein bekanntes Beispiel an:
die Umstellung auf eine gesündere Ernährung. Wer beginnt, sich bewusster zu ernähren, merkt oft schon nach kurzer Zeit Veränderungen. Man fühlt sich leichter, beweglicher. Die Gelenke werden entlastet, die Haut wirkt frischer, der Körper insgesamt leistungsfähiger.Hier geschieht die Veränderung vor allem durch materielle Faktoren – also durch Nährstoffe, Vitamine, Mineralien und andere Stoffe, die wir aufnehmen.

Bei Seelenübungen ist das anders.
Hier nimmt der Übende keine besonderen Stoffe zu sich. Stattdessen arbeitet er an seinem inneren Leben. Er entwickelt sein Denken weiter,vertieft seine Empfindungen, verfeinert sein Sinnesleben und schult Eigenschaften wie Geduld, Ausdauer und Zielstrebigkeit.
Das geschieht zum Beispiel dadurch, dass man sich bewusst mit bestimmten Fragen, Gedanken oder Wahrnehmungen beschäftigt – regelmäßig, aufmerksam und mit innerer Beteiligung.

Wirkungen auf den Körper über die Seele

Auch wenn Seelenübungen nicht direkt auf der materiellen Ebene ansetzen, können sie dennoch Auswirkungen auf den Körper haben.
Wenn ein Mensch sich innerlich sammelt, ruhig und geordnet denkt und sich konzentriert mit etwas aus der Außenwelt verbindet, kann das entlastend wirken. Ein ständig überreizter Kreislauf kann sich beruhigen. Das Herz kann wieder in einen gleichmäßigeren Rhythmus finden. Besonders stark betroffen ist oft das Nervensystem. Unser Alltag ist heute von Reizen überflutet: Lärm, Bildschirme, Zeitdruck, Sorgen. Viele Menschen fühlen sich nervlich erschöpft oder innerlich zerrissen. Durch regelmäßige Seelenübungen kann das Nervensystem eine Art „Training“ bekommen. Neue Verbindungen im Gehirn können sich bilden, und in Zeiten der Erschöpfung erleben manche Menschen eine spürbare innere Stärkung. Sie fühlen sich klarer, wacher und gleichzeitig ruhiger. Auch Beschwerden, die mit dem sogenannten vegetativen Nervensystem zusammenhängen – also dem Teil unseres Nervensystems, der automatisch Herzschlag, Atmung oder Verdauung steuert – können sich verbessern. Wenn das bewusste Denken wieder geordnet und rhythmisch wird, kann das stabilisierend auf diese unbewussten Abläufe wirken.

Seelenübungen und das Immunsystem

Ein besonders interessanter Bereich ist das Immunsystem. Früher litten die Menschen häufiger an schweren Infektionskrankheiten und großen Epidemien. Heute sind solche Krankheiten in vielen Ländern seltener geworden. Dafür treten andere Beschwerden stärker in den Vordergrund: nervliche Überlastung, chronische Erschöpfung, psychische Probleme, Allergien und verschiedene sogenannte Zivilisationskrankheiten. Man könnte sagen: Viele moderne Krankheiten hängen nicht nur mit äußeren Einflüssen zusammen, sondern auch mit innerem Stress, Überforderung und mangelnder seelischer Balance. Das Immunsystem braucht nicht nur Nährstoffe und Bewegung, sondern auch eine gewisse innere Stabilität und Wärme. Wenn ein Mensch lernt, sein Denken zu ordnen, seine Gefühle bewusster wahrzunehmen und seinen Willen zielgerichtet einzusetzen, kann sich das positiv auf seine gesamte Widerstandskraft auswirken. Seelenübungen können dabei helfen, dass das Immunsystem angemessen reagiert: Einerseits lernt der Körper besser zu unterscheiden, was zu ihm gehört und was fremd ist. Andererseits kann er auf tatsächliche Belastungen entschlossener reagieren.

Was genau sind Seelenübungen?

Seelenübungen können ganz unterschiedlich aussehen.
Zum Beispiel: sich täglich einige Minuten bewusst auf einen Gedanken konzentrieren
eine Beobachtung aus der Natur ruhig und genau beschreiben
Dankbarkeit für bestimmte Erlebnisse entwickeln
Geduld üben, indem man eine Tätigkeit langsam und aufmerksam ausführt bewusst eine positive Haltung gegenüber schwierigen Situationen einnehmen.
Wichtig ist dabei nicht Perfektion, sondern Regelmäßigkeit und Echtheit. Es geht nicht darum, etwas zu erzwingen, sondern darum, das eigene Innenleben schrittweise bewusster zu gestalten.

Innere Ordnung – äußere Wirkung

Ein Mensch besteht nicht nur aus Körper, sondern auch aus seelischen und geistigen Kräften. Wenn diese inneren Bereiche ungeordnet, überfordert oder ständig abgelenkt sind, wirkt sich das oft auch körperlich aus. Seelenübungen schaffen eine Art innere Ordnung. Gedanken werden klarer, Gefühle ruhiger, der Wille verlässlicher. Diese innere Stabilität kann sich dann auch im Körper widerspiegeln: in besserem Schlaf, ruhigerem Herzschlag, stärkerer Widerstandskraft und größerer Lebensfreude.

Zusammenfassend kann man sagen:

Seelenübungen sind eine bewusste Form des inneren Trainings. Sie sprechen Denken, Fühlen und Wollen gleichzeitig an. Anders als körperliche oder rein geistige Übungen wirken sie ganzheitlich auf den Menschen. Wer regelmäßig solche Übungen in sein Leben integriert, kann mehr innere Ruhe, seelische Ausgeglichenheit und neue Lebensenergie erfahren. Indirekt können sich diese Veränderungen auch positiv auf Nervensystem, Kreislauf und Immunsystem auswirken. Seelenübungen sind damit kein Ersatz für medizinische Behandlung, aber sie können eine wertvolle Ergänzung sein – eine Möglichkeit, selbst aktiv etwas für das eigene Wohlbefinden und die Gesundheit zu tun. Denn Gesundheit beginnt nicht nur im Körper – sondern auch in der Art und Weise, wie wir innerlich mit uns selbst und mit der Welt in Beziehung stehen.