Überlegt einmal kurz die folgende Frage: Ab wann gilt ein Mensch eigentlich als schön?
Viele Menschen würden vermutlich antworten, dass dies geschieht, wenn jemand ein gutes Aussehen besitzt, freundlich auftritt oder beliebt ist. Der Text, mit dem wir uns heute beschäftigen, verfolgt jedoch einen anderen Ansatz – er bezieht sich auf etwas wesentlich Tieferes.
Weiterlesen: Was ist Schönheit im Menschen?
Es geht hierbei nicht um die äußere Erscheinung, sondern vielmehr um eine innere Kraft.
Der Text stellt fest: Ein Mensch ist schön, wenn er nicht an Abhängigkeiten festhält.
Um dies zu verstehen, muss man fragen: Was bedeutet das konkret?
Bei diesen Abhängigkeiten kann es sich um Gewohnheiten, veraltete Denkweisen oder auch um Gefühle handeln, an denen wir festhalten. Typische Beispiele hierfür sind Aussagen wie: „Ich bin halt so“, „Ich kann das nicht“ oder „Das war schon immer so“.
Ein Mensch ist also dann schön, wenn er die Fähigkeit besitzt, sich von diesen Dingen zu lösen. Das bedeutet, dass er nicht stagniert, sondern sich kontinuierlich neu erschafft.
Ein zentraler Gedanke ist dabei die Existenz sogenannter Schöpferkräfte in jedem Menschen. Das bedeutet konkret: Wir besitzen die Fähigkeit, unsere Gedanken, unsere Gefühle und unser Handeln aktiv zu gestalten. Folglich sind wir nicht bloße Zuschauer unseres Lebens, sondern nehmen die Rolle von Mitgestaltern ein.
Der Text nutzt hierfür eine sehr bildhafte Beschreibung: Der Mensch arbeitet „wie das Licht selbst“ an der Materie und am Leben.
Um die Bedeutung zu erfassen, kann man das Licht als Symbol für Klarheit, Energie sowie für etwas Bewegliches und Freies interpretieren. Wenn wir also kreativ denken, neue Ideen entwickeln oder unsere Gefühle bewusst wahrnehmen, bringen wir gewissermaßen „Licht“ in die Welt.
Ein weiterer wesentlicher Aspekt ist das Bewusstsein.
Dabei geschieht Folgendes: Der Mensch entwickelt eine Bewusstheit über sein eigenes Bewusstsein – er erkennt also: „Ich denke gerade. Ich fühle gerade. Ich kann das verändern.“
Dies stellt einen bedeutenden Fortschritt dar, denn in der Regel laufen Gedanken und Gefühle rein automatisch ab. Doch in dem Moment, in dem wir diesen Prozess erkennen, erlangen wir Freiheit.
Allerdings – und dies wird im Text ausdrücklich betont – ist dieser Prozess nicht einfach. Er erfordert Mut.
Warum ist Mut notwendig? Das liegt daran, dass wir uns von alten Gewohnheiten lösen müssen. Zudem müssen wir uns selbst hinterfragen und gelegentlich unsere eigene Bequemlichkeit überwinden. Der Text bezeichnet diesen Vorgang als eine „Selbstübersteigung“. Das bedeutet: Wir wachsen über unser bisheriges Ich hinaus.
Ein besonders anschauliches Bild im Text lautet:
Der Mensch „weicht in jedem Augenblick zurück und ersteht im gleichen Moment neu“.
Dies mag zunächst ungewöhnlich klingen. Die eigentliche Bedeutung ist jedoch: Wir lassen das Vergangene los und erschaffen im selben Augenblick etwas Neues. Dies geschieht immer wieder und in jedem einzelnen Moment. Es handelt sich also um einen ständigen Neubeginn.
Genau in diesem Prozess liegt laut Text die wahre Schönheit des Menschen: Sie liegt nicht in der Perfektion, sondern in der stetigen Veränderung und der kontinuierlichen Weiterentwicklung.
Abschließend wird die gesamte Thematik noch einmal mit dem Bild des Lichts zusammengeführt: Das Licht zeichnet sich durch Freiheit, Unabhängigkeit und Schöpferkraft aus. Es wirkt auf die Welt ein und verändert sie, während es gleichzeitig seine eigene Freiheit bewahrt. In ähnlicher Weise soll auch der Mensch agieren: Er lebt in der Welt, beeinflusst und gestaltet sie, behält aber seine innere Freiheit bei.
Zum Schluss wird ein sehr poetisches Bild verwendet:
Das Licht erschafft ein „Sternenmeer der verschiedenen Strahlkräfte“.
Man kann sich dies so vorstellen: Jeder Mensch besitzt eine individuelle Art zu denken, zu fühlen und kreativ zu sein. Aus der Summe dieser Unterschiede entsteht etwas Großes und Vielfältiges – vergleichbar mit einem Himmel voller Sterne.
Fazit:
Schönheit definiert sich bei einem Menschen nicht durch das Aussehen, sondern durch seine innere Freiheit und seine Kreativität. Sie entsteht durch den Mut zur Veränderung und durch die Fähigkeit, immer wieder neu zu beginnen.
Vielleicht könnt ihr euch zum Abschluss selbst folgende Fragen stellen:
An welchen alten Mustern halte ich noch fest?
Und: Wo könnte ich damit beginnen, etwas Neues zu denken oder zu fühlen?
Denn genau an diesem Punkt beginnt diese besondere Form von Schönheit.
Quellenangabe:
Heinz Grill, Die Signaturen der Planeten und die seelisch-geistige Entwicklung in der Pädagogik,
Seite 104 ff.